Wo ließen sich Windenergieanlagen bauen?
Generell sind die mittleren Höhen des Mittelgebirgsraumes aufgrund ihrer komplexen Topographie nicht sehr windhöffig, und die Ertragswerte von Windenergieanlagen bleiben meist weit hinter den Erwartungen zurück, je weiter man nach Süden geht. In der Hoffnung, in höheren Luftschichten stärkere und konstantere Winde nutzen zu können, hat die Industrie über die letzten Jahre besonders hohe Schwachwindanlagen entwickelt (wie das Modell Vestas V-172), die schon bei niedrigen Windgeschwindigkeiten Strom erzeugen sollen. An zusammenhängenden Flächen, die für Schwachwindanlagen theoretisch geeignet sind, ist im Stadtgebiet Neuwied einzig der Heimbacher Wald als einigermaßen windhöffige Potentialfläche anzuführen. Leider sind im gesamten Landkreis Neuwied nur wenige Flächen für die Gewinnung von Windenergie geeignet. Diese Situation macht deutlich, wie wichtig es ist, dass sich Kommunen gerade bei der Nutzung von Windenergie überregional vernetzen und Kooperationen schaffen, um Energie dort zu erzeugen, wo dies am effizientesten und umweltverträglichsten möglich ist.
Windenergiegewinnung im Wald birgt unkalkulierbare Risiken! Wenn vermeidbar, sollte von der Windenergiegewinnung im Wald Abstand genommen werden. Zwar ist es rechtlich möglich, Windenergieanlagen in Wäldern zu errichten, nicht aber empfehlenswert. Gerade bei den besonders hohen Schwachwindanlagen häufen sich Unfälle – insbesondere bei Stürmen. Nicht selten führt dies zu Bränden. Wenn in 175 Meter Höhe eine Windturbine brennt, kann nichts unternommen werden! Wenn das auch noch in unseren immer trockener werdenden Wäldern passiert, birgt das unkalkulierbare Risiken. Zudem haben dem Bau entsprechender Anlagen erhebliche Flächen zu weichen. Und: Je komplexer die Topographie, desto umständlicher die Zuwegung zu den Anlagen. Das zeigt sich bei den vorgestellten Plänen zu vier Windenergieanlagen nördlich von Monrepos, deren Errichtung eine immens lange Trassenführung durch geschützte FFH-Wälder und Ökosysteme erfordern würde.
„So viele Windräder wie möglich aufzustellen“, wie die Stadtwerke Neuwied es anstreben, ist eine Maxime, die einzig auf Profit ausgerichtet ist, nicht aber einer verantwortungsvollen Umsetzung der Energiewende, und die schon gar nicht den Maßgaben des Umwelt- und Naturschutzes gerecht wird. Nach derzeitigen Schätzungen könnte der gesamte aktuelle Jahresstrombedarf im Stadtgebiet Neuwied mit acht oder neun Windrädern vom Typ Vestas V-172 abgedeckt werden, der zukünftige Bedarf um 2040 vielleicht mit 12 – vorausgesetzt die Ertragsschätzungen der Windradproduzenten stimmen.
Potentialflächen für den Windenergieausbau: Unter Berücksichtigung der in Rheinland-Pfalz geltenden Abstandsregelungen zur Wohnbebauung und von „Natura 2000“- und FFH-Gebieten sowie der vor Ort gegebenen Topographie lassen sich im Stadtgebiet Neuwied über zwanzig Potentialstandorte für Windenergieanlagen definieren. Von West nach Ost sind dies 5 im Bereich Rockenfeld, 2 in der Nähe des Gebranntehofs, 4 nördlich von Monrepos, 1-3 zwischen Rengsdorf und Anhausen, und – nach unseren Rechnungen – 12-14 im Heimbacher Wald. Die Flächen um Rockenfeld und Monrepos sind unmittelbar von FFH-Gebieten umgeben, ihre Zuwegung würde durch diese führen.
Um den Eingriff in die Umwelt so gering wie möglich zu halten, wäre es ohne Frage das Beste, die erforderlichen Windräder an einem Standort zu errichten, statt sie über viele Hügel zu verteilen.
Potentialfläche Heimbacher Wald: Der Heimbacher Wald böte diesen Platz und dabei auch noch die höchste Windhöffigkeit. Er ist ohnehin stark durch Borkenkäferbefall geschädigt. Auch wäre hier die Zuwegung kurz und gut ausgebaut. Würden Windräder in einer ersten Phase nördlich des Limes gebaut, würden sie auch die Landschaft optisch am wenigsten verändern. Es würde sich dann auch zeigen, ob überhaupt weitere Windräder zur Deckung des Strombedarfs im Stadtgebiet benötigt würden. Gemäß Windatlas Rheinland-Pfalz ist angesichts der Topographie sogar davon auszugehen, dass hier auch in geringeren Höhen Windbedingungen herrschen, die jenen in 160 m Höhe etwa entsprechen oder nur geringfügig schwächer sind. Eventuell überschüssige Windenergie in Starkwindphasen könnte unmittelbar östlich im geplanten bzw. im Entstehen befindlichen Wasserstoff-Hub in Bendorf zur Gewinnung von grünem Wasserstoff genutzt werden. Überschüssige Windenergie, die vor allem auch nachts nicht benötigt wird, könnte damit sozusagen gespeichert werden. Über entsprechende Kooperation müsste die Politik frühzeitig sprechen, um synchron zu den Bendorfer Vorhaben tätig zu werden.
